Für Vermieter, Hausverwaltungen und Gerichte
Ein Blatt, das Wohnungen retten kann
Viele Menschen mit Mietschulden holen sich erst Hilfe, wenn es fast zu spät ist. Oft wissen sie gar nicht, dass es diese Hilfe gibt.
Legen Sie Ihrer Mahnung, Ihrer Kündigung oder der Klage dieses Beiblatt bei. Es zeigt Ihren Mieter*innen auf einer Seite, wo es kostenlose Beratung gibt und was an welchem Punkt noch möglich ist.
Warum sich das lohnt
Die Fachstelle für Wohnungsnotfälle spricht mit beiden Seiten und hilft, eine Ratenzahlung oder einen Antrag beim Amt auf den Weg zu bringen. Je früher Ihre Mieter*innen kommen, desto eher lässt sich ein Rückstand klären, bevor es vor Gericht geht. Das liegt auch in Ihrem Interesse:
Eine Räumung kostet alle
Zwischen der ersten offenen Miete und einer Räumung vergeht oft mehr als ein Jahr. Die Räumung selbst muss der Vermieter beim Gerichtsvollzieher vorschießen, je nach Wohnung schnell mehrere tausend Euro. Von Mieter*innen ohne Geld kommt davon selten etwas zurück.
§ 4 GvKostG
Das Amt kann die Schulden übernehmen
Jobcenter und Sozialamt können Mietschulden übernehmen, wenn sonst der Verlust der Wohnung droht, meist als Darlehen. Dafür müssen Ihre Mieter*innen den Antrag rechtzeitig stellen.
§ 22 Abs. 8 SGB II, § 36 SGB XII
Die Miete kann direkt an Sie gehen
Bekommen Ihre Mieter*innen Grundsicherungsgeld, soll das Jobcenter die Miete bei Rückständen, die zur fristlosen Kündigung berechtigen, direkt an Sie überweisen.
§ 22 Abs. 7 SGB II
Das Mietverhältnis kann weitergehen
Wird der Rückstand bis zwei Monate nach Zustellung der Räumungsklage bezahlt, oder sagt das Amt die Zahlung zu, wird die fristlose Kündigung unwirksam. Sie bekommen Ihr Geld, und die Wohnung bleibt vermietet.
§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB
So setzen Sie das Blatt ein
Das Beiblatt ist kostenlos. Sie dürfen es ausdrucken, kopieren und weitergeben, auch in großer Zahl. Am meisten hilft es, wenn es mit dem Brief kommt, der Angst macht.
- Vermieter und Hausverwaltungen legen es der ersten Mahnung bei und noch einmal der Kündigung.
- Amtsgerichte legen es der Zustellung der Räumungsklage bei. Das Gericht meldet die Klage ohnehin an Jobcenter oder Sozialamt (§ 22 Abs. 9 SGB II, § 36 Abs. 2 SGB XII). Das Blatt sagt den Mieter*innen selbst, was sie jetzt tun können.
- Gerichtsvollzieher legen es der Ankündigung des Räumungstermins bei.
- Beratungsstellen, Sozialämter und Mietervereine legen es aus oder geben es mit.
Hilfe vor Ort eintragen
Auf dem Blatt ist ein Feld für die Fachstelle in Ihrer Stadt. Tragen Sie dort Name und Telefon ein, am einfachsten mit einem Stempel.
Welche Stelle zuständig ist, erfahren Sie beim Sozialamt oder auf woundwie.de unter „Drohender Wohnungsverlust“.
Fragen oder Hinweise zum Blatt: mail@wohnungsnot.org
Was auf dem Blatt steht
Auf einer Seite: der erste Schritt zur Fachstelle, ein Feld für Ihre Stelle vor Ort, sechs Stationen von der ersten offenen Miete bis zum Räumungstermin, jeweils mit Paragraf, und Nummern, die Tag und Nacht erreichbar sind. In Kurzform:
- Eine Monatsmiete ist offen
Ratenzahlung mit dem Vermieter, Übernahme der Schulden durch Jobcenter oder Sozialamt, Wohngeld prüfen.
§ 22 Abs. 8 SGB II, § 36 SGB XII, Wohngeldgesetz
- Zwei Monatsmieten sind offen
Jetzt ist eine fristlose Kündigung möglich. Spätestens jetzt zur Fachstelle. Das Jobcenter kann die Miete direkt zahlen.
§ 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB, § 22 Abs. 7 SGB II
- Die Kündigung ist da
Räumen darf nur der Gerichtsvollzieher, und nur mit Urteil. Nicht ausziehen, nichts unterschreiben, die Kündigung prüfen lassen.
§ 885 ZPO, Beratungshilfegesetz
- Post vom Gericht: Räumungsklage
Frist im Brief beachten. Zahlung bis zwei Monate nach Zustellung macht die fristlose Kündigung unwirksam, einmal in zwei Jahren. Eine zusätzliche ordentliche Kündigung bleibt bestehen.
§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB, § 276 ZPO, BGH VIII ZR 91/20
- Ein Urteil ist da
Räumungsfrist beantragen, insgesamt bis zu einem Jahr. Eine Einigung ist weiter möglich.
§ 721 ZPO
- Der Räumungstermin ist angekündigt
Mindestens drei Wochen bis zum Termin. In Härtefällen Vollstreckungsschutz, Antrag spätestens zwei Wochen vor dem Termin. Ohne Wohnung muss die Stadt eine Unterkunft geben.
§ 765a ZPO, § 128 GVGA, Ordnungsrecht der Länder
Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Neue Regeln zur Schonfrist berät gerade der Bundestag (Drucksache 21/6807). Ändert sich die Rechtslage, finden Sie die aktuelle Fassung auf dieser Seite. Den ganzen Ablauf mit allen Fristen erklärt der Zeitstrahl.
